Weniger Fleisch essen: Rebel Meat macht Halbe Halbe

Rebel Meat
Der Fleischkonsum in Österreich blieb über 30 Jahre lang eher stabil, erst in den vergangenen fünf Jahren ist ein leichter Trend zu einem reduzierten Fleischverzehr erkennbar.

Ob für die Gesundheit, die Umwelt oder das Gewissen: Viele Menschen wollen ihren Fleischkonsum reduzieren. Doch so manche Gewohnheit lässt sich halt leider nur schwer ablegen. Sich im Fleischkonsum einzuschränken, ist jedoch für viele ein gangbarer Weg. Das Wiener Start-up Rebel Meat macht dies mit einem köstlichen Produkt einfacher und hat seit neuestem auch Snacks für Kinder im Programm. 

Gestern noch Fleischlaberl, heute ein Patty. Und darf‘s dann morgen mal ein Fake Patty sein? Im Klartext: Ein Burger Patty, halb Rindfleisch, halb Pilze. Das schont nicht nur die Umwelt, sondern ist auch viel gesünder. Die Gründer von Rebel Meat haben neben den Burger-Patties auch andere Köstlichkeiten kreiert, die mit halb so viel Fleisch wie üblich auskommen. Die anderen 50 Prozent bestehen aus pflanzlichen Zutaten. Alle Bestandteile kommen aus biologischer Produktion. Wie‘s zu der Idee kam und warum es so wichtig ist, unseren Fleischkonsum zu reduzieren haben wir beim Gründer-Duo Cornelia Habacher und Philipp Stangl nachgefragt.

Wie entstand die Idee zu Rebel Meat?

Cornelia Habacher: Wir haben uns Gedanken zum übermäßigen Fleischkonsum gemacht und wie wir helfen könnten, ihn zu reduzieren. Die bestehenden Alternativen haben uns nicht überzeugt – und die Zahlen haben uns gezeigt, dass es auch viele andere Leute nicht überzeugt.

Philipp Stangl: Viele Menschen haben nämlich bereits erkannt, dass es wichtig ist weniger Fleisch zu essen, tun sich aber im Alltag aus verschiedensten Gründen schwer damit. Wir wollten diesen Menschen eine Möglichkeit ohne Verzicht bieten.

Warum ist es euch wichtig, dass die Menschen ihren Fleischkonsum einsparen?

Philipp Stangl: Unser Fleischkonsum ist verantwortlich für fast 15 Prozent der weltweit vom Menschen verursachten Emissionen. Essen wir weniger Fleisch, müssten weniger Tiere gehalten werden, die in Folge weniger Emissionen erzeugen, die Klima, Böden und Gewässer belasten. Dadurch wiederum kann auch der Futtermittelanbau reduziert werden, wodurch weniger Pestizide und Kunstdünger verbraucht werden und vor allem weniger Anbaufläche benötigt wird. 

Cornelia Habacher: Mit unserer Mission: „300g Fleisch – am besten in Bio-Qualität – pro Woche sind genug“ haben wir es uns zum Ziel gesetzt, unser aller Fleischkonsum zu reduzieren. Der ist nämlich auch in Österreich mit durchschnittlich 1,2 kg pro Woche nach wie vor deutlich zu hoch. Dabei sind wir der Meinung, dass sich nicht jeder von heute auf morgen komplett vegetarisch oder vegan ernähren und ganz auf den Genuss von Fleisch verzichten muss. Aber wir sollten das kostbare Lebensmittel wieder bewusster genießen. Die Botschaft dahinter ist klar: deutlich weniger, aber dafür besseres Fleisch, am besten Bio aus der Region.

Welche Halbe Halbe Produkte bietet ihr an?

Philipp Stangl: Wir haben ab sofort sieben verschiedene Bio-Produkte im Einzelhandel-Sortiment: Burger-Patties, Bratwürstel, Käsekrainer, Faschiertes, Burger-Patties Deluxe mit Edelpilzen, Hühner-Nuggets und Fleischbällchen.

Neu im Sortiment sind eure Kindersnacks. Warum zielt ihr auf die jüngsten Fleischtiger ab?

Cornelia Habacher: Viele Eltern schätzten schon bisher die Extraportion Gemüse in unseren Produkten und auch Kinder – selbst die größten Gemüse-Skeptiker – sind vom Geschmack der Rebel Meat Produkte begeistert. Daher haben wir nach intensiver Entwicklungsarbeit die “Rebel Meat Kids” Produktlinie speziell für Kinder und junge Eltern geboren. Die Produkte wurden außerdem extra mit einer Ernährungsberaterin für die Bedürfnisse von Kindern entwickelt.

Wie sehr schmecken eure Patties nach Fleischlaberl und die Würstel nach Würstel?

Philipp Stangl: All unsere Produkte bieten den vollen Fleischgenuss. Viele Menschen merken überhaupt gar keinen Unterschied zu herkömmlichen Würsteln oder Burger-Patties. Nur unser Burger Patty mit Edelpilzen unterscheidet sich geschmacklich etwas von Omas klassischen Fleischlaberln, da der Kräuterseitling eine eigene Note mit sich bringt.  

Welche Vorteile bringt eine fleischärmere Ernährung für die Menschen?

Cornelia Habacher: Für einen ganz persönlich bringt eine fleischarme Ernährung gesundheitliche Vorteile. Wir in Österreich essen einfach deutlich zu viel Fleisch, genau genommen drei bis viermal so viel, wie von der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung empfohlen. Viele Studien deuten darauf hin, dass übermäßiger Fleischkonsum ein erhöhtes Herzinfarktrisiko, hohen Blutdruck und einen erhöhten Cholesterinspiegel zur Folge hat. 

Philipp Stangl: Fleisch ist dennoch ein guter Lieferant für biologisch hochwertige Nährstoffe, es ist also nicht unbedingt von speziellem Vorteil sich komplett fleischlos zu ernähren.  

Welche Vorteile sind es für die Umwelt?

Cornelia Habacher: Die Fleischproduktion selbst ist nicht das Problem, sondern die Art und Weise wie heutzutage ein Großteil der industriellen Fleischproduktion passiert. Kraftfutter aus Regenwaldgebieten, Massentierhaltung mit großem Tierleid und Emissionen aller Art haben dieser Art von Fleischproduktion zu Recht ein schlechtes Image gegeben. 

Philipp Stangl: Wir setzen auf Bio-Fleisch aus Österreich, denn das heißt: Weidehaltung in kleinstrukturierter Landwirtschaft sorgt für glückliche Tiere, gesunde Böden und kann zur Steigerung der Bio-Diversität beitragen. Eine wichtige Voraussetzung dafür, dass wir ganz Österreich mit heimischem Bio-Fleisch ernähren können ist allerdings, dass wir deutlich weniger Fleisch konsumieren.

Was sind aus eurer Sicht die drei wichtigsten Gründe, um den eigenen Fleischkonsum zu überdenken?

Cornelia Habacher: Bei der Frage um den eigenen Fleischkonsum geht es in unseren Augen immer um die Punkte Umwelt, Gesundheit und Tierwohl. Wie stark man welchen Aspekt gewichtet, muss natürlich jeder für sich entscheiden. 

Worauf könntet ihr niemals verzichten?

Cornelia Habacher: Ich könnte wohl auf so gut wie alles Materielle verzichten, aber dafür niemals auf lange Spaziergänge am Strand, Erholung in der Natur und meine Me-time.

Philipp Stangl: Ich verbringe extrem gern Zeit in den Bergen. Das gibt einfach Kraft und setzt alles andere in Perspektive. 

Schon gewusst?

Im europäischen Vergleich liegt Österreich beim Fleischkonsum im Spitzenfeld. 2019 lag der Verbrauch pro Kopf bei durchschnittlich 62,6 Kilogramm. Am beliebtesten bei den Österreicher:innen ist das Schweinefleisch. An zweiter Stelle liegt Geflügel, gefolgt von Rind und Kalb. Schaf, Ziege, Wild oder Innereinen landen weniger häufig auf dem Teller. Insgesamt blieb der jüngste Fleischkonsum in Österreich über 30 Jahre lang eher stabil, erst in den vergangenen fünf Jahren ist ein leichter Trend zu einem reduzierten Fleischverzehr erkennbar.

Von Daniela Ullrich