Weihnachtliche Bräuche in Österreich – eine Bundesländer-Tour

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Zur Adventzeit lassen sich in ganz Österreich, je nach Bundesland, verschiedene Weihnachtsbräuche erleben.

Nicht nur für die Kleinsten, auch für viele Erwachsene ist der Zauber der Adventzeit etwas ganz Besonderes. Viele Bräuche und Traditionen werden mit der Zeit verbunden, die die Geburt Jesu Christi einläutet. Wir haben uns auf eine Tour durch die Bundesländer begeben, um überall eine weihnachtliche Länder-Spezialität zu finden. 

Oberösterreich

Das Salzkammergut beheimatet viele ungewöhnliche Bräuche. In Gmunden findet jährlich am letzten Adventsamstag das Christbaumtauchen statt. Erst 1966 eingeführt, wird dabei ein geschmückter Weihnachtsbaum von der Wasserrettung aus dem Traunsee gefischt. Das Christbaumtauchen läutet die letzten Tage vor dem Heiligen Abend ein und soll auch ein Gedenken für die im Traunsee Verunglückten sein. 

Vorarlberg

Der 6. Dezember ist für die Vorarlberger:innen der „Klosotag“ – der Nikolo hat dort den Namen „Klos“. Bevor dieser die Geschenke brachte, mussten die Kinder früher vorher ihr Betholz, auch Klosaholz, vorzeigen. In dieses wurde während des Jahres für jedes Gebet eine Kerbe geschnitzt – je mehr Kerben, desto reichhaltiger die Ausbeute am Klosotag. 

Tirol

Tirol gilt als Ursprungsland für das sogenannte Herbergsuchen, das in vielen Gemeinden stattfindet. Dabei wird ein Abbild oder eine Statue der Maria von Familie zu Familie weitergegeben, die dann jeweils eine Adventfeier ausrichtet und Lieder singt. Das Herbergsuchen, auch als „Frauentragen“ bekannt, erlangte in einigen Gemeinden aber auch jenseits der Tiroler Landesgrenzen Bekanntheit. 

Salzburg

Salzburgs Landeshauptstadt ist Geburtsort von Pfarrer Joseph Mohr – muss man den kennen? Zumindest einer seiner Texte ist weltberühmt: 1816 verfasste Mohr die Zeilen zu „Stille Nacht, Heilige Nacht“, ursprünglich als Gedicht vorgesehen – übrigens mit sechs, nicht wie man heute glauben könnte, mit drei Strophen. Der Organist Franz Xaver Gruber komponierte zwei Jahre später eine passende Melodie. Der Rest ist Weltgeschichte: Stille Nacht, Heilige Nacht ist – mit vielen Übersetzungen – der Weihnachtsklassiker schlechthin. 

Kärnten

Im Kärntner Görtschitztal kennt man den Brauch des „Roatelns“, oder auch den „Tag der Scherenschleifer“. Vor Weihnachten schärft man alle Gegenstände mit Schneide und legt sie dann am Heiligen Abend unter einen weiß gedeckten Tisch, auf dem ein Reindling (Kuchen) und Weihwasser stehen. Das bleibt so bis Neujahr. Der Brauch soll Unglück abwehren und den Bauern eine ertragreiche Ernte bescheren. 

Niederösterreich

Ein Brauch, der vor allem im Mostviertel zu finden ist, ist die „Sampa Müch“: Brot oder Gebäck wird klein geschnitten und mit warmer Milch übergossen. Davon isst die ganze Familie, ein kleiner Rest bleibt in der Schüssel. In die verbliebene Masse legt jedes Familienmitglied über Nacht einen Löffel. Wer am nächsten Morgen den meisten Rahm auf seinem Löffel hat, wird im kommenden Jahr am meisten Glück haben. 

Steiermark

Einen etwas rustikalen Brauch findet man in Teilen der grünen Mark: Am 28. Dezember wecken die Kinder ihre Eltern in der Früh auf und schlagen sie mit Ruten aus Zweigen. Dafür werden sie sogar mit Süßigkeiten oder etwas Geld belohnt. Der Grund: Das „Frisch und g’sund“-Schlagen soll Kraft und Gesundheit für das kommende Jahr bringen. Dazu wird gereimt: „Frisch und g’sund, ganzes Jahr pumperlg’sund; gern geb’n, lang leb’n, glückselig sterb’n; Christkindl am Hochaltar, des wünsch i dir zum neuen Jahr.“ 

Burgenland

Im Grenzgebiet zwischen der Steiermark, Niederösterreich und dem Burgenland findet man das Steffelaushängen, ein Brauch um den Stefanitag am 26. Dezember. In den frühen Morgenstunden wird von jungen Frauen oder bekannten Langschläfern ein Kleidungsstück gestohlen und auf einen Baum in der Nähe des Betroffenen aufgehängt, wo sie so schnell wie möglich vom Bestohlenen zurückgeholt werden muss. 

Wien

Die Landeshauptstadt bietet in der Vorweihnachtszeit imposante Christkindlmärkte, am bekanntesten ist sicherlich jener am Rathausplatz. Auch interessant für Freunde der Tradition ist der Altwiener Christkindlmarkt auf der Freyung – bereits 1772 hat dort angeblich ein Christkindlmarkt stattgefunden. Auch heute kommen dort bei vorweihnachtlicher Musik und abwechslungsreichen Ständen Freunde der Adventszeit auf ihre Kosten. 

Von Mario Hofer