Wie beleben wir den Arbeitsmarkt weiterhin?

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Vor allem gut qualifizierte haben in der Krise an beruflichem Status verloren. Auch Frauen und Flüchtlinge mit Hochschulabschluss gehören zu den Krisenverlierer:innen.

Eines muss man dem Coronavirus lassen: Es hält sich hartnäckig. Dennoch haben sich im zweiten Jahr der Pandemie nicht nur die heimische Wirtschaft, sondern auch der Arbeitsmarkt zuletzt stark erholt. Hier haben wir für euch dazu passend zusammengefasst, wie sich Österreich aus der Krise herausarbeitet. Doch wo stehen wir jetzt, geraume Zeit später? Und wie geht es in Zukunft weiter?

Nach der Krise ist vor der Krise – jedenfalls fühlt es sich zeitweise so an. Corona-Lockdowns gehören noch nicht der Vergangenheit an, zumindest für Ungeimpfte. Und auch das ständige Tragen der Masken begleitet uns länger als die meisten wohl vermutet hätten. Wirtschaftlich zeigt sich hingegen ein anderes Bild: Spätestens seit den Öffnungen im Frühsommer geht es wieder bergauf. Im letzten halben Jahr hat das vor allem den Arbeitsmarkt in Österreich belebt – die Arbeitslosenquote lag im Oktober unter der Vergleichswoche von 2019.

Weshalb das auch abgesehen von der Krise eine bemerkenswerte Entwicklung ist? Weil gewisse Aspekte der Wirtschaft trotz Pandemie nicht stillstanden. Im Gegenteil. Insbesondere die zunehmende Digitalisierung und Automatisierung waren und sind gerade durch die lange Ausnahmesituation besonders gefragt. Corona hat das Verständnis für den Bedarf geschärft, vorhanden war er aber bereits zuvor. „Für das 21. Jahrhundert wurde vielfach das Ende der Arbeit prognostiziert, die aktuelle und zukünftige Situation zeigt aber eine völlig gegenteilige Entwicklung“, sagt Joachim Haindl-Grutsch, Geschäftsführer der Industriellenvereinigung Oberösterreich. Fortschritt schaffe Arbeit und nicht Arbeitslosigkeit.

Aus dem Lot geraten...

… sind Teile des Arbeitsmarktes dennoch nach wie vor. „Frauen wechselten in der Krise nicht nur viel öfter in die Inaktivität, sondern gelangten aus dieser heraus auch viel seltener wieder in Beschäftigung“, erklärt Sandra Leitner, Senior Economist am Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche und Co-Autorin einer neuen Studie. Ähnliches gelte für gut gebildete Flüchtlinge mit Hochschulabschluss. Außerdem verloren gut Qualifizierte, die während der Pandemie weiterhin in Beschäftigung blieben, an beruflichem Status. Den Expert:innen zufolge, weil sie schlechtere Jobs annehmen mussten. Gespannt abzuwarten bleibt darüber hinaus, ob und wie sich der neuerdings beschlossene Lockdown für Ungeimpfte und strengere Regeln am Arbeitplatz auf die Situation auswirken.

Weniger Arbeitslose, mehr Mittel

Die Pandemie und ihre bis heute andauernden Folgen sind also nicht gänzlich spurlos an uns vorbeigegangen. Trotz positiver Entwicklungen. Einen Weg, den Missständen auf dem Arbeitsmarkt wieder entgegenzuwirken, bieten gezielte Fördermaßnahmen für betroffene Personengruppen und Branchen. Was es dafür braucht? Ein höheres Budget. Dass im kommenden Jahr deutlich weniger Mittel zur Finanzierung der Kurzarbeit notwendig sein werden, ist demnach eine erfreuliche Nachricht. Außerdem bedeuten faktisch weniger Arbeitslose einerseits niedrigere Auszahlungen an Arbeitslosengeldern und Notstandshilfen. Andererseits steigen die staatlichen Einnahmen an Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen. 

Wie dieses Mehr an Mitteln genutzt werden kann, zeigt die Budgetplanung für 2022. Um die aktive Arbeitsmarktpolitik effizienter zu gestalten, stehen im kommenden Jahr 1,2 Milliarden Euro zur Verfügung – rund 87 Millionen Euro mehr als 2021. Allein für die Corona-Joboffensive sollen davon 700 Millionen Euro verwendet werden, um Umschulungen und Weiterbildungen für arbeitslose und geringqualifizerte Personen zu finanzieren. Laut Arbeitsminister Kocher waren 54 Prozent der Teilnehmer:innen der Corona-Joboffensive bisher weiblich, wodurch mehr als die Hälfte der Ausgaben Frauen zu Gute kamen. Speziell für Langzeitbeschäftigungslose sind 250 Millionen Euro für das Programm „Sprungbrett“ vorgesehen. Aufgrund seiner zentralen Rolle bei beiden Aufgaben, geht ein Großteil der Mittel an das AMS. 

Greifen die Maßnahmen wie geplant, können wir der Zukunft zuversichtlich entgegenblicken. Das Ziel ist klar: Ein weiterhin florierender Arbeitsmarkt, der sich durch eine hohe Beschäftigunsquote sowie eine faire Chancengleichheit in der gesamten Gesellschaft auszeichnet.

Von David Bauer