Inflation: Wie teuer wird unsere Zukunft?

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Stichwort Inflation: Je mehr Geld im Umlauf ist, desto weniger ist es wert .

Eine berechtigte Frage. Immerhin wird gefühlt alles zunehmend kostspieliger. Warum das so ist? Dafür gibt es mehrere Gründe. Einer davon ist die steigende Inflation in Österreich und Europa. Worum es dabei geht und welche Rolle die Inflation für unsere (wirtschaftliche) Zukunft spielt? Sehen wir es uns an. 

Während der österreichweite Lockdown für Ungeimpfte frisch beschlossen wurde, hat sich die gesamte heimische Wirtschaft zuletzt stark von der Krise erholt. Mittlerweile sind die Segel nicht mehr auf „Regeneration“, sondern auf „Wachstum“ gesetzt. „Für 2021 erwarten wir ein Wirtschaftswachstum von 4,1 Prozent. Da der Tourismus eine wichtige Rolle spielt, bleibt die Lage aber insbesondere für das Wintergeschäft ungewiss. Wenn die Pandemie-Situation im In- und Ausland unter Kontrolle bleibt, ist mit einem Zustrom von in- und ausländischen Touristen zu rechnen“, so Dagmar Koch, Country Managerin von Coface Österreich. Eine Verschlechterung der Gesundheitssituation könne jedoch zu Beschränkungen und damit zu einem Wirtschaftsrisiko führen.

Abgeschwächt wird der wirtschaftliche Aufschwung jedoch bereits jetzt. Überraschenderweise auf der Angebotsseite. „Fehlende Arbeitskräfte sowie ein Mangel an Ressourcen und hohe Preise im Einkauf limitieren die Produktion derzeit und führen dazu, dass die steigende Nachfrage nicht bedient werden kann“, so Koch. In Österreich sind die Folgen spürbar. Schuld daran seien Lieferengpässe und eine steigende Preisinflation, die wiederum Verbraucherpreise erhöht. Das Problem mit den Lieferketten haben wir hier für euch bereits zusammengefasst. Aber was hat es eigentlich mit der Inflation auf sich?

Wenn Geld weniger wert wird…

… hat das bestimmte Gründe. Grundsätzlich gilt: Je größer das Angebot, desto geringer der Preis. Im Fall von Geld sinkt daher der Wert. Laut Andreas Fellner, Vorstand der Partner Bank, sind dabei zwei Faktoren entscheidend: die Menge an Geld und dessen Umlaufgeschwindigkeit. „Derzeit gibt es eine hohe Geldmenge und die Umlaufgeschwindigkeit ist bei geschlossener Wirtschaft nicht auf Normalniveau“, erklärt Fellner. Dadurch halte sich die Inflation in Grenzen. Was das bedeutet? Erstens, dass durch Konjunkturpakete und eine lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank zunehmend mehr Geld im Umlauf ist. Und zweitens hemmt Corona auch gegen Ende des zweiten Jahres der Pandemie noch unsere Wirtschaft. Was passiert aber, wenn diese wieder uneingeschränkt läuft? „Mit dem Öffnen der Wirtschaft wird die Geldumlaufgeschwindigkeit wieder höher“, so Fellner. Die Inflation wird steigen.

Generell gilt eine Inflationsrate bis fünf Prozent als „leicht“ und somit ungefährlich für die Wirtschaft eines Landes. Laut aktuellen WIFO-Prognosen liegt die österreichische Inflation in diesem Jahr bei 2,8 Prozent, 2022 soll sie voraussichtlich sogar über drei Prozent steigen. Im Anschluss wird sie sich aber von 2023 bis 2026 schätzungsweise auf 2,1 bis 2,2 Prozent jährlich einpendeln. Keine Panik, also? „Ein wichtiger Punkt ist, dass Inflation gefühlt höher erscheint als die ausgewiesene, tatsächliche Inflation. Nur weil es gefühlt hohe Preissteigerungen gibt, heißt das nicht, dass die Inflation tatsächlich hoch ist und umgekehrt“, sagt Fellner.

Blick nach vorne

Wie teuer unsere Zukunft wird, ist daher in erste Linie eine Frage der Wahrnehmung. Bei häufig gekauften Waren des täglichen Bedarfs spüren wir selbst kleinere Preiserhöhungen direkt. „Im Gegensatz dazu werden Preissteigerungen bei langlebigen Konsumgütern, wie Autos, Computer oder Fernseher, weniger wahrgenommen, da sie seltener gekauft werden. Das heißt, dass die gefühlte Inflation von der tatsächlichen abweicht“, erklärt Fellner.

Was dennoch bleibt, ist ein gewisser Kaufkraftverlust – sei er noch so klein. Ein Beispiel gefällig? Angenommen, durch die Zentralbank sind insgesamt 10.000 Euro an Geld im Umlauf. Wenn der Preis einer Kiste Bier bei 10 Euro liegt (wow!) und eine Person 500 Euro verdient, kann diese sich 50 Kisten Bier leisten. Druckt die Bank nun weitere 300 Euro, sind insgesamt 10.300 Euro im Umlauf. Damit Getränkemärkte nach wie vor exakt dasselbe verdienen, müssen sie den Preis entsprechend anpassen. Verdient die Person in unserem Beispiel weiterhin 500 Euro, während der Preis für das Bier mittlerweile auf 10,30 Euro erhöht wurde, kann sie sich nur noch 48 Kisten kaufen. Wenn man so will, bedeutet Inflation, sich zwei Kisten Bier weniger leisten zu können.

Was wir dagegen tun können? „Vorsorge kann die Investition in beständige Sachwerte, wie Immobilien sein. Ein altbewährtes und krisensicheres Mittel zur Wahrung des Wertbestandes sind Gold und andere Edelmetalle“, schlägt Fellner vor. Wer sich nicht gleich eine Wohnung zulegen möchte, kann sein Geld auch in Qualitätsaktien sicher anlegen. Fellner zufolge zeichnen sich diese durch eine starke Marktposition, ein ausgezeichnetes Management und nachhaltige Innovationen aus. Als Ergebnis liefern sie langfristig steigende Umsätze, Gewinne und Cash Flows. Also genau das, was man braucht, wenn die Zukunft droht, teurer zu werden.

Von David Bauer