Geht uns die Energie aus?

(c) Getty Images
Im Winter lieber warm anziehen oder doch die Heizung voll aufdrehen? Letzteres könnte in diesem Jahr teurer werden, als wir es gewohnt sind.

Wie der Winter dieses Jahr wohl werden wird? Feststeht: entweder ungewohnt kalt oder teuer. Dank der plötzlich gestiegenen Energie- und Gaspreise wird man sich für eines von beidem entscheiden müssen. Aber woher kommt der starke Anstieg eigentlich? Wie genau sind wir davon betroffen? Und wie könnte eine mögliche Lösung des Problems aussehen?

„Heizen oder nicht heizen?“, das ist hier die Frage. Denn laut Expert:innen erhöhen sich unsere Heizkosten in diesem Winter schneller und stärker als in den Jahren zuvor. Ein Blick auf den Österreichischen Gaspreisindex zeigt, wie sehr sich die Lage zuspitzt. Seit August 2020 steigt dieser durchgehend, seit wenigen Wochen schnellt er in die Höhe. Die Folge: Bis ins kommende Frühjahr werden unsere Strom- und Heizkosten rund 20 Prozent teurer. Konkret kann das, insbesondere für größere Familien, Mehrkosten von insgesamt bis zu 500 Euro mit sich bringen. Wie kommt es dazu?

Angebot und Nachfrage

Die kurze Antwort lautet: Lieferengpässe. Für die lange Antwort muss man über Österreichs Grenzen hinausgehen. Genauer gesagt nach Asien. Im fernen Osten ist der Bedarf an Gas derzeit besonders hoch, in anderen Teilen der Welt ebenfalls. Auch Österreich selbst bleibt hier nicht außen vor. Und wo eine erhöhte Nachfrage auf ein zu geringes Angebot trifft, steigt automatisch der Preis. Unklar ist außerdem, wie zuverlässig Russland als Handelspartner ist. Die russischen Verantwortlichen behaupten, dass sie bereit sind, mehr zu liefern. Bisher seien aber keine Anfragen eingetroffen. Die EU hingegen kritisiert die teuren Preise des russischen Konzerns Gazprom. Dieser reagiere laut Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nicht auf den wachsenden Bedarf in der EU. Es steht Aussage gegen Aussage.

Für die heimische Wirtschaft könnten die Lieferengpässe derweil kaum ungelegener kommen. „Gerade im Corona-Wiederaufbau sind berechenbare Energiekosten für unsere Unternehmen von größter Bedeutung“, sagt Mariana Kühnel, stellvertretende Generalsekretärin der Wirtschaftskammer Österreich. Zudem sei der Einsatz neuer Technologien der Schlüssel zum Erfolg – sowohl für die digitale als auch die grüne Transformation. „Heimische Unternehmen zählen zu den Vorreitern in den Bereichen Erneuerbare Energien und Ökostrom“, so Kühnel weiter.

Vorteil für uns? Ja und nein. Ja, Österreich ist nicht alleine von diesem Problem betroffen. Im Vergleich zum Vorjahr haben sich die Gaspreise im EU-Schnitt laut Eurostat um 17,4 Prozent erhöht. Vorreiter beim Einsatz neuer Technologien zu sein, verschafft uns einen Wettbewerbsvorteil. Und nein, dass sich die Lage weltweit verschärft, bindet uns die Hände. Inwiefern? Solange das Problem gefühlt alle betrifft, können wir es kaum alleine, also national lösen.

Darüber hinaus wäre es fraglich, voreilig in die Preisgestaltung einzugreifen. Vor allem, da wir Österreicher:innen in einer sozialen Marktwirtschaft leben. Wenn Angebot und Nachfrage aus dem Gleichgewicht geraten, können wir nicht einfach den Preis manipulieren. Die Ursachen wirklich zu bekämpfen heißt: für mehr Angebot zu sorgen. Sprich, die Lieferengpässe in den Griff zu bekommen. Dafür braucht es zumindest eine europäische Lösung.

Globales Problem, europäische Lösung

Einen solchen europäischen Ansatz liefert beispielsweise die WKÖ mit der Entwicklung ihres Aufbaupakets und Onlinetools „Recover.EU“. Ziel ist es, heimische Unternehmen in zwei Stufen zu unterstützen: Erstens durch die EU-Wiederaufbauhilfen für Österreich und zweitens durch die europäischen Unterstützungen für alle anderen EU-Länder. „Diese werden gewinnbringend mit der grünen und digitalen Transformation verknüpft – und die österreichischen Betriebe haben mit ihrem Knowhow gute Chancen, vorne mit dabei zu sein“, betont Kühnel.

Für Österreich bietet sich also die Möglichkeit, jetzt die Weichen für unsere Zukunft zu stellen. Und solange es weltweit zu Lieferengpässen kommt und dadurch die steigenden Energiepreise ein globales, nicht nationales Problem sind, leuchtet eine gemeinsame europäische Lösung am meisten ein.

Von David Bauer