Gewusst wie: Nachhaltigkeit in Industriebetrieben

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"Grüne" Milch aus einer nachhaltigen Molkerei gefällig?

Unter Österreichs größten Molkereien belegt SalzburgMilch den dritten Platz. Ein Industriezweig, den vor allem das Thema Energieeffizienz vor große Herausforderungen stellt. Denn rund zwei Drittel der eingesetzten Energie sind allein für Wärmeanwendungen nötig, weiß Matthias Greisberger. Er ist Nachhaltigkeits-Beauftragter bei SalzburgMilch. Im Interview erzählt er uns, wie der Green Champion tagtäglich bewusst Verantwortung übernimmt, einen eigenen Blog ins Leben gerufen hat und wie es zur Partnerschaft mit der Klima- und Energiestrategie des Landes Salzburg kam.

„Wir übernehmen Verantwortung“ steht als Programm zum Thema Nachhaltigkeit auf Ihrer Homepage. Haben Sie heute schon bewusst Verantwortung übernommen?

Matthias Greisberger: Ja bestimmt, als einer der größten Arbeitgeber im Land Salzburg tragen wir bei der SalzburgMilch jeden Tag bewusst Verantwortung gegenüber unseren Bauernfamilien, unseren MitarbeiterInnen, KonsumentInnen und KundInnen sowie gegenüber der Umwelt.

Persönlich versuche ich selbst auch in unterschiedlichen nachhaltigkeitsrelevanten Bereichen einen Beitrag zu leisten. Beispielsweise lege ich tägliche Arbeitswege so oft es geht mit dem Fahrrad zurück und ernähre ich mich vorwiegend mit regionalen, ökologisch produzierten Lebensmitteln. Nachdem das Feld „Nachhaltigkeit“ so breit ist, gibt es sehr viele Möglichkeiten, um aktiv zu werden.

SalzburgMilch erweitert zunehmend ihren Fuhrpark an E-Autos. Welche nachhaltigen Maßnahmen ergreifen Sie noch? 

Matthias Greisberger: Im Bereich der ökologischen Nachhaltigkeit, speziell beim Thema Energieeffizienz, wurde in den letzten Jahren bereits sehr viel umgesetzt. Gerade in einer Molkerei und Käserei wird ein Großteil der eingesetzten Energie, nämlich rund zwei Drittel, für Wärmeanwendungen benötigt. Bei vielen Prozessen fällt dabei Abwärme an, die bei uns durch durchdachte Wärmerückgewinnungssysteme genutzt wird. Zur Deckung des innerbetrieblichen Heizenergiebedarfs, für Warmwassererzeugung oder zum Vorwärmen einzelner Produktionsschritte. In den vergangenen Jahren wurden außerdem Wärmetauschersysteme optimiert, Wärmepumpen und Wärmeschichtspeicher installiert, um Abwärme besser nutzen zu können.

Auch im Bereich der erneuerbaren Energien setzen wir Akzente: Auf dem Dach der Käserei am Standort Lamprechtshausen errichten wir die aktuell größte Aufdach-Photovoltaikanlage im Bundesland Salzburg, mit einer Leistung von rund 1,6 Megawatt. Der erzeugte Sonnenstrom kann zu mehr als 99 Prozent direkt für den Betrieb der Käserei genutzt werden. Die PV-Anlage liefert einen wichtigen Beitrag in Richtung klimaneutraler Produktion am Standort.

Welche Rolle spielt dabei ihre Strategie der „Milchmanufaktur“?

Matthias Greisberger: Im Rahmen unsere Strategie der „Milchmanufaktur“ versuchen wir durch die vielen Spezialmilchsorten unseren Bauernfamilien einen attraktiven Milchpreis zu bieten. Unsere Milchbäuerinnen und Milchbauern wirtschaften und denken über Generationen hinweg und sind somit die Basis für ökonomische Nachhaltigkeit. Denn im Bereich der sozialen Nachhaltigkeit sind wir ebenfalls aktiv. Mitarbeiterbindung- und Gesundheit haben einen hohen Stellenwert bei der SalzburgMilch. Wir bieten als Unternehmen umfangreiche Sozialleistungen, wie etwa eine kostenlose Unfallversicherung, Rückenfit-Kurse, eine Betriebskantine oder unseren Gesundheitstag.

Wie kam Ihnen die Idee, einen eigenen Blog zum Thema Nachhaltigkeit ins Leben zu rufen und einen Nachhaltigkeits-Beauftragten zu beschäftigen?

Matthias Greisberger: Wir berichten häufig über aktuell laufende Aktivitäten der SalzburgMilch im Bereich der Nachhaltigkeit. Ein Blog eignet sich hierfür sehr gut, um die Themen und Aktivitäten zeitnah, einfach zugänglich und verständlich zu kommunizieren. Das Thema hat bei uns hohe Priorität und es ist sicher einfacher und vorteilhafter, eine Person im Unternehmen zu haben, die diese Themen koordiniert.

Sie haben erst kürzlich die Partnerschaft mit der Klima- und Energiestrategie des Landes Salzburg (SALZBURG 2050) verlängert. Was sind Ihre gemeinsamen Ziele? 

Matthias Greisberger: Wir unterstützen seit 2019 die Klima- und Energiestrategie des Landes Salzburg als stolzer Partner. Aufgrund des erfolgreichen Verlaufs der Partnerschaft und des über die ursprüngliche Laufzeit hinaus gegebenen Potenzials zur Umsetzung klimarelevanter Maßnahmen, wurde die bestehende Partnerschaft um zwei weitere Jahre verlängert.

Das Programm SALZBURG 2050 Partnerbetriebe hat das Ziel, klima- und energiebewusste Unternehmen in Salzburg auf ihrem Weg zu einem energieeffizienteren und klimaschonenden Betrieb zu beraten, begleiten und zu fördern. Umgekehrt bekennen sich die Betriebe zu den Zielen der Klima-und Energiestrategie SALZBURG 2050. Dadurch unterstützen sie wiederum das Land mit der Umsetzung von Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz und des Klimaschutzes. Der Fokus im aktuellen Arbeitsprogramm liegt auf Energieeinsparung bei den Herstellungsprozessen sowie der Erstellung einer Umwelt- und Nachhaltigkeitsstrategie. 

Wo sehen Sie bei großen Betrieben generell, aber auch in Ihrem eigenen Unternehmen beim Umweltschutz die meiste Luft nach oben?

Matthias Greisberger: Gerade bei produzierenden Betrieben mit einem hohen Energiebedarf stellt sicher die klimafreundliche Bereitstellung von Prozesswärme eine Herausforderung dar. Wir wollen zukünftig den Anteil erneuerbarer Energien steigern und möglichst energieeffizient produzieren. Mit dem Ziel, den CO2-Fußabdruck des Unternehmens sukzessive zu reduzieren. Des weiteren ist die Einbeziehung der gesamten Wertschöpfungskette in großen Betrieben sowie auch bei uns enorm wichtig. In unserem Fall sind das zum Beispiel die Landwirtschaft oder die externe Logistik.

Von David Bauer