Essen macht eine Region erlebbar

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Slow Food ist mehr als die bloße Verwendung hochwertiger Lebensmittel.

Slow Food – da gehört schon mehr dazu als nur langsames Essen. Eckart Mandler von der Slow Food Travel Region Kärnten erklärt, worauf es wirklich ankommt: nachhaltige Lebensmittelproduktion, die für alle Beteiligten funktioniert – vom Bauern bis zum Konsumenten.

Eine Lebenseinstellung. Nicht mehr und nicht weniger ist Slow Food, zumindest im Südwesten von Kärnten. Auf grünen Talböden zwischen den Gipfeln der 3000er wurde 2016 die erste Slow Food Travel Region überhaupt gegründet. „In diesem Eck Kärntens haben schon viele Betriebe die Slow Food Philosophie gelebt – nur eben ohne diesen Überbegriff zu verwenden“, sagt Eckhart Mandler.

Er war es, den die Initiatioren als „Kümmerer“ für die Slow Food Travel Region rekrutierten. Er hatte schon damals langjährige Erfahrung in der Entwicklung nachhaltiger Toursimusinitativen, in den 90er Jahren erarbeite er zum Beispiel das Konzept für das Kräuterdorf Irschen im Drautal. „Ich kenne die Leute, ich kenne die Mentalität, da hat das sehr gut gepasst.“

Gute Lebensmittel, regional produziert

Stop: Was ist Slow Food jetzt eigentlich? „Slow Food fordert saubere Lebensmittelproduktion. Das heißt, dass Ackerböden nicht überdüngt werden, dass Chemikalien nur sehr beschränkt eingesetzt werden, dass die Tiere artgerecht gehalten werden“, so Mandler. Ein bisschen könnte man Slow Food als Bio-plus verstehen. So spielt zum Beispiel auch Regionalität eine entscheidende Rolle: „Statt beispielsweise Vieh quer durch die Welt zu karren, sollten Lebensmittel möglichst in der Region in Handarbeit erzeugt und verarbeitet werden.“

Letztlich sei das Ziel, die Qualität von Lebensmitteln wieder stärker in den Fokus zu rücken. „Essen hat mittlerweile einfach nicht mehr den Stellenwert, den es früher hatte. Wir nehmen drei Mahlzeiten am Tag ein, aber die meisten Menschen beschäftigen sich kaum mit ihrer Ernährung.“

Erleben durch Essen

In der Slow Food Travel Region soll diese Philosophie Touristen nähergebracht werden. Die Prämisse: „Wir erleben eine Region über das Essen.“ Die teilnehmenden Hotels bieten Ausflüge zu Lebensmittelproduzenten an, die regionale Sorten mit nachhaltigen Methoden anbauen und den Besuchern ihre Arbeit erklären. In den Restaurants wird mit Zutaten aus Slow Food Produktion gekocht – überall stehen Genuss und Respekt für Lebensmittel im Vordergrund.

Darüber hinaus soll die Slow Food Travel Region aber auch einen Mehrwert für die Einheimischen bringen. „Uns war ganz wichtig, dass wir die einzelnen Produzenten zusammenholen und zu einem Austausch anregen, damit sich die Region weiterentwickelt und neue Produzenten für das Konzept begeistert werden können“, so Mandler. Durch die enge Zusammenarbeit soll die gesamte Wertschöpfung in der Region gehalten werden – und so der Bevölkerung zu Gute kommen.

Steter Tropfen

Das Motto lautet also: Revolution, von einem Bauernhof zum nächsten. Kann so eine globale Trendumkehr gelingen? „Derzeit sind Slow Food Aktivisten natürlich eine kleine Spitze, aber diese Spitze hinterlässt Furchen, in denen Neues gedeihen kann“, so Mandler. Ziel sei gar nicht unbedingt, die Slow Food Philosophie zur neuen Norm zu machen, aber: „Es entstehen immer wieder neue Initiativen, die dann alle gemeinsam langfristig dazu beitragen, dass eine Verhaltensänderung eintritt.“

Langfristig gehe es um mehr als gutes Essen. „Wenn wir alte Obstsorten erhalten, bekommen wir dadurch nicht nur hochwertige Lebensmittel. Wenn wir den Leuten klar machen können, dass alte Streuobstwiesen einen Mehrwert haben, werden die Besitzer sie auch behalten und nicht mit einem Parkplatz oder einem pflegeleichten Schottergarten ersetzen“, so Mandler. „Der Mensch braucht natürliche Lebensräume, um sich zu erholen und um sich wohlzufühlen. Letztlich ist das Ziel, kommenden Generationen eine gute Welt zu hinterlassen.“

Mehr Infos und teilnehmende Betriebe gibt es hier.

Von Valentin Bayer