Österreichs Klassenzimmer werden digital

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Die Digitalisierungs-Offensive bringt Laptops und Tablets in Österreichs Klassenzimmer.

Die Digitalisierungsoffensive ist beschlossen, Österreichs Schulen werden aufgerüstet. Stolze 250 Millionen Euro investiert die Regierung in Laptops und Tablets für rund 150.000 SchülerInnen. Ein Schritt in die richtige Richtung, wie Alexandra Bosek findet. Sie ist Bundesschulsprecherin der Schülerunion in Österreich. Im Interview erzählt sie uns, wie die meisten LehrerInnen auf die Umstellung reagieren, wie sich der Schulalltag verändern wird und welche Herzensprojekte sonst noch auf ihrer Liste stehen.

Die Digitalisierungsoffensive ist offiziell beschlossen. Worauf freust du dich in Zukunft am meisten in den neuen digitalen Klassenzimmern?

Alexandra Bosek_Auf die vielen neuen Lehrmethoden und Möglichkeiten, den Unterricht interaktiver und zeitgemäßer zu gestalten. Für mich selbst macht es keinen großen Unterschied, weil ich dieses Jahr maturiert habe, aber für die kommenden Generationen eben schon. Und mit der Hilfe digitaler Klassenzimmer gibt es keine Ausreden mehr, nur Frontalunterricht zu nutzen.

Rund 150.000 SchülerInnen profitieren davon – 93 Prozent der Schulen nehmen das Angebot wahr. Was passiert mit den restlichen 10.000 SchülerInnen?

Alexandra Bosek_Ich hoffe natürlich, dass in naher Zukunft auch die restlichen sieben Prozent der Schulen das Angebot annehmen und ihren Schülerinnen und Schüler so eine bessere Lernerfahrung bieten können. Sollte das allerdings nicht passieren, finde ich, dass das Ministerium durchaus eine Verpflichtung aussprechen kann. Keine Schülerin und kein Schüler darf aufgrund dieser Entscheidung seiner Schule einen Nachteil entwickeln und so auf der Strecke bleiben.

SchülerInnen wachsen heutzutage in einer digitalen Welt auf. Aber wie werden (vor allem ältere) LehrerInnen mit der Umstellung umgehen?

Alexandra Bosek_Natürlich gibt es immer wieder – hauptsächlich ältere – Lehrkräfte, die sich dagegen sträuben, jetzt noch den Umgang mit neuen Technologien zu lernen und stattdessen auf ihre altbekannten Lehrmethoden beharren. Was sich im letzten Schuljahr allerdings gezeigt hat, war, dass sehr wohl mehr Lehrerinnen und Lehrer als zunächst gedacht die Massive Open Online Courses absolviert haben, um sich weiterzubilden. Hier könnte man über eine verpflichtende Teilnahme oder “Goodies” für die Absolvierung nachdenken.

Der 8-Punkte-Plan sieht vor, digitales Lernen bis 2024 in allen Schulen gut zu verankern. Wann genau gilt dieses Ziel für dich als erreicht? 

Alexandra Bosek_Ich finde, das lässt sich nicht so konkret sagen. Einerseits fallen mir da Beispiele ein, wie die freie Entscheidung jeder Schülerin und jedes Schülers, ob er ein Buch oder ein Tablet beziehungsweise einen Laptop nutzen will. Andererseits auch Themen wie die Matura. Jede und jeder, der die Deutsch Matura auf einem Computer schreiben will, sollte es dürfen. Hier braucht es aber auch davor genug Möglichkeiten das Zehn-Fingersystem zu lernen und zu trainieren. Wichtig ist, dass allen Schülerinnen und Schülern der Umgang und das Lernen mit digitalen Mitteln ermöglicht und dieser auch aktiv genutzt wird.

Zur Digitalisierungsoffensive sagtest du: „Besonders freut es mich, dass mit dem 8-Punkte-Plan eines meiner Herzensprojekte, das Portal Digitale Schule umgesetzt wird.“ Gibt es weitere Herzensprojekte? 

Alexandra Bosek_Natürlich sind alle unsere Projekte irgendwie auch Herzensprojekte, weil wir uns viele Gedanken dazu gemacht haben und immer dran bleiben, sie auch umzusetzen. Ein weiterer Favorit war allerdings auch die Anpassung der Matura, bei der wir dann auch mit eingebunden wurden. Sowie die Evaluierung der Lehrpläne, die jetzt im Sommer noch stattfinden wird.

Von David Bauer