Mein Nachfolger, der Roboter?

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Jobverlust oder nützlicher Helfer im Alltag – ist die Angst vor Künstlicher Intelligenz wirklich berechtigt?

Sprachassistenz im Smartphone, Navigationssysteme und nicht zuletzt Roboter in Fabriken – Künstliche Intelligenz wird in der heutigen Welt immer präsenter. Laut Studien beeinflusst sie vor allem zwei Dinge: Erstens haben immer mehr ArbeitnehmerInnen Angst, durch künstliche Intelligenz ihren Job zu verlieren. Und zweitens sorgt die zunehmende Automatisierung in vielen Bereichen für Lohnminderungen. Wie genau wirkt sich Künstliche Intelligenz auf unsere Arbeitswelt aus? Sind wir in Zukunft so ersetzbar wie noch nie?

Ersetzt zu werden, ist kein schönes Gefühl. Seit einigen Jahren schüren Studien zur Künstlichen Intelligenz Angst auf dem Arbeitsmarkt. Doch was ist wirklich dran am Risiko, durch die Digitalisierung seinen Job zu verlieren? Grundsätzlich weniger als häufig angenommen oder prognostiziert wurde. Denn Berufe werden durch den technologischen Fortschritt zwar verändert, jedoch eher an eine modernere Welt angepasst oder sogar neu geschaffen. Anstelle einer steigenden Arbeitslosigkeit, stellt Ökonom Markus Reitzig fest, dass die zunehmende Automatisierung unsere Löhne mindert.

Laufen uns Maschinen den Rang ab?

Das zeige sich insbesondere in Berufsfeldern, die kein hohes Maß an sozialer Intelligenz, Kreativität oder Wahrnehmungsfähigkeit verlangen – klassisch „menschliche“ Attribute eben. „Tatsächlich zeigt unsere Studie: Je weniger ein Berufsprofil die oben genannten Fähigkeiten verlangt, desto eher machte sich das in sinkenden Gehältern bemerkbar“, fasst Reitzig die Entwicklungen zusammen. Diese Veränderungen betreffen BesserverdienerInnen stärker. Überraschend kommt das für den Ökonomen allerdings nicht: „Jene Berufe, für die einige ArbeitnehmerInnen in den 80er-Jahren noch lange studieren mussten und heute gut bezahlt werden, bestehen oft aus analytischen Tätigkeiten. Und in genau diesen Berufen werden Maschinen eben exponentiell besser.“

Trotz allem hält der Experte die Nachteile lediglich für kurzfristige Nebeneffekte des Umbruchs, die im digitalen Wandel einige überrollen könnten. Langfristig sieht er hingegen jede Menge Potenzial bei der Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine. „Wie bei früheren technologischen Revolutionen wird es zur Aufwertung einiger menschlicher Fähigkeiten kommen und zum Austausch anderer.“

Die Kehrseite der Medaille

Nur weil sich die (Arbeits-)Welt verändert, muss sie sich nicht unbedingt verschlechtern. Insgesamt wäre es also fraglich, künstliche Intelligenz und den digitalen Wandel grundsätzlich zu verteufeln. Immerhin erwartet auch das Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort, dass die digitale Transformation rund 20.000 neue Arbeitsplätze und knapp zwei Prozent Wachstum des jährlichen BIPs mit sich bringen wird. „Digitalisierung wird als Hebel für Wachstum und Arbeitsplätze immer wichtiger – und macht unsere Wirtschaft krisenfester. Wir schaffen dafür mit dem Digitalen Aktionsplan Austria bestmögliche Rahmenbedingungen“, sagt Digitalministerin Margarete Schramböck.

Auch Unternehmen profitieren längst vom Einsatz Künstlicher Intelligenz. Steigerungen der Produktionsleistung- und qualität sowie neuartige Energiesparmaßnahmen sind nur die Spitze des Eisbergs. Laut Schätzungen des EP Think Tanks wird sich die Arbeitsproduktivität im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz in den nächsten fünfzehn Jahren um bis zu 37 Prozent erhöhen. Die globalen Treibhausgasemissionen werden durch KI-Einsätze in der Industrie bis 2030 schätzungsweise um vier Prozent verringert.

Selbst jenseits der Arbeitsmarktes profitieren wir alle davon. Die Gesundheitsversorgung verbessert sich stetig. Verkehrsmittel werden immer sicherer. Unsere Häuser und Städte energiesparender. Und vielleicht ist es ja in manchen Fällen gar nicht so schlecht, wenn Roboter einen gefährlichen oder gesundheitsschädlichen Job übernehmen?

Von David Bauer