Eigenkapitalstärkung als Mittel gegen die Krise?

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Wie legt man Kapital richtig an?

Was ich mit meinem Geld mache, geht nur mich was an. Oder? Nicht ganz. Denn wie wir unser Geld anlegen, betrifft nicht nur uns selbst. Sondern die gesamte Wirtschaft.

Die Österreicher sind sparsam. Aber sie legen ihr Kapital schlecht an, sind sich Ökonomin Heike Lehner und Claudia Figl, Partnerin bei der Gutmann Bank, einig. Doch warum ist das so? Und was bedeutet das für die Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise? Und warum ist es an der Zeit, das Eigenkapital zu stärken? Wir haben bei den beiden Expertinnen nachgefragt.

Land des Sparbuches?

„Die Österreicher lassen ihr Geld häufig auf dem Sparbuch oder dem Konto liegen, anstatt es zum Beispiel in Aktien zu investieren. Dadurch verlieren die auf Österreichs Sparbüchern schlummernden 300 Milliarden Euro beständig an Wert“, sagt Lehner. Das sei nicht nur schlecht für die Sparer, sondern auch für Österreichs Unternehmen, die stark auf Bankenfinanzierung angewiesen sind.

Denn gerade jetzt sei es für die Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise wichtig, dass Unternehmen über eine hohe Eigenkapitalausstattung verfügen. Figl: „Damit kann die Widerstandsfähigkeit der Unternehmen gestärkt werden und die Gefahr ist nicht so groß, dass ein Unternehmen bei einem Geschäftsrückgang in die Pleite schlittert, da weniger verpflichtende Zinszahlungen zu leisten sind und im Falle von Verlusten größere Reserven da sind.“

Die Angst vor Aktien

Doch woher kommt die Scheu der Österreicher vorm Kapitalmarkt? Laut Figl gibt es dafür drei Hauptgründe:

1. Die mangelhafte wirtschaftliche Bildung in Österreich,

2. der Glaube, dass die Anlage auf Sparbücher und Sparkonten risikolos ist und

3. der Irrglaube, dass Aktieninvestments hoch spekulativ und nur für Zocker geeignet sind.

„In den Schulen sollte der Finanzbildung unbedingt mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden“, fordert Figl. Jüngere Investoren hätten den Vorteil, dass sie einen längeren Anlagehorizont vor sich hätten. Welche Tipps hat die Partnerin der Gutmann Bank für junge Anleger?

1. In sich und eine gute Ausbildung zu investieren

2. Möglichst früh mit einer Finanzanlage zu starten

3. Sich für das wirtschaftliche Umfeld der Finanzmärkte zu interessieren

4. Einen Finanzplan zur Erreichung der persönlichen Lebens-(Ziele) zu erstellen

5. Auf Qualität und (internationale) Diversifikation zu achten

Und wie kann man ältere Anleger für den Kapitalmarkt begeistern? „Bei älteren Investoren ist vor allem Aufklärung und Information erforderlich. Wer bisher noch keine Erfahrungen mit Anlagen am Kapitalmarkt sammeln konnte, sollte dies in kleinen Schritten tun“, so Figl.

Doch worauf müssen alle Anleger heuer besonders achten? „Das Jahr 2021 kann leider noch nicht als Post-Covid-19-Phase bezeichnet werden, da die Auswirkungen der Pandemie nach wie vor nicht absehbar sind“, so Figl. „Wie immer sollte bei der Geldanlage auf Qualität und ausreichende Diversifikation geachtet werden.“ Das Risiko sollte also in verschiedene Finanzprodukte gestreut werden.

Unternehmen: in guten Zeiten vorsorgen

Wie aber schützen sich einzelne Unternehmen am besten vor den Folgen einer Wirtschaftskrise? „Eigenkapital muss in wirtschaftlich guten Zeiten aufgebaut werden. Während einer Krise ist der Aufbau selbst oftmals nicht möglich, da Investoren vorsichtiger agieren und weniger Geld zur Verfügung stellen. In der Krise kann Fremdkapital wie etwa durch kurzfristige Bankkredite zur Überbrückung genutzt werden“, so Lehner.

Welche politischen Anreize für eine höhere Eigenkapitalquote in Unternehmen wären aber sinnvoll? „Wichtig wäre es, neue Finanzierungsquellen zu erschließen, indem es auch Pensionsfonds ermöglicht wird, in Beteiligungs- und Risikokapital zu investieren. Österreich sollte sich auf europäischer Ebene für die Schaffung eines europäischen Kapitalmarktes einsetzen“, sagt Lehner. Und Figl meint dazu: „Es sind verschiedene steuerliche Maßnahmen denkbar, wie etwa eine Senkung der Kapitalertragsteuer, eine steuerliche Abzugsfähigkeit von Eigenkapital oder eine Förderung von Beteiligung an KMUs, die nicht an die Börse gehen können.“

Die Höhe der optimalen Eigenkapitalquote ist je nach Branche anders. „Dennoch zeigt sich das einheitliche Bild, dass Unternehmen mit höherem Eigenkapital krisenrobuster sind“, so Lehner.

„Österreicher lassen ihr Geld häufig auf dem Sparbuch oder dem Konto liegen, anstatt es zum Beispiel in Aktien zu investieren. Dadurch verlieren die auf Österreichs Sparbüchern schlummernden 300 Milliarden Euro beständig an Wert.“

Heike Lehner, Ökonomin, Agenda Austria.

„In den Schulen sollte der Finanzbildung unbedingt mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden."

Claudia Figl, Partnerin bei der Gutmann Bank.

Von Katharina Anna Ecker