Wie geht es der Start-up Szene in Österreich?

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In Österreich gibt es rund 1.300 Startup-Gründerinnen und 5.700 Start-up-Gründer.

Diese Frage klärt der neu erschienene Austrian Startup Monitor*. Dieser liefert fundierte Daten zur Weiterentwicklung und Förderung des Start-up-Ökosystems in Österreich. Durchgeführt wird die Befragung und Auswertung von AustrianStartups, dem Austrian Institute of Technochlogy (AIT) und dem WU Gründungszentrum. In der Ausgabe 2020 gibt es einen Schwerpunkt zu den Auswirkungen der Corona-Krise, aber auch einen neuen Fokus auf das Thema Nachhaltigkeit.

Oft zitiert und von der österreichischen Start-up-Szene hervorragend umgesetzt: Die Krise als Chance zu nutzen: „Statt als Stolperstein hat sich die Krise als eine Startrampe für Jungunternehmen herausgestellt. Sie konnten die Situation gut nutzen, um ihre Organisationen auszubauen und sind gerade die Firmen, die in dieser Zeit wirtschaftliche und technologische Transformationen vorantreiben. Sie fördern die Digitalisierung von ihren eigenen Geschäftsmodellen, aber auch von KMU und Leitbetrieben. Auch im Bereich der Ökologisierung sind sie klassischen Unternehmen weit voraus“, kommentiert Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck die Zahlen.

Und diese können sich sehen lassen: Laut dem Startup Monitor hat jedes vierte Jungunternehmen im vergangenen Jahr an Lösungen zur Corona-Krise gearbeitet. Weitere sieben Prozent wollen in Zukunft ebenfalls konkrete Konzepte zur Bewältigung der Pandemie entwickeln. Zwar sei die Anzahl der Startups, die ihre finanzielle Lage negativ beurteilen, in der Krise gestiegen, jedoch seien die grundsätzlichen Aussichten für die Hälfte der Gründer und Geschäftsführer immer noch gut.

10.00 neue Jobs sind geplant

Auch wenn nicht alle Startups ein einfaches Jahr hinter sich haben, so hat die durch COVID-19 befeuerte Digitalisierung vielen jungen Tech-Unternehmen in Österreich einen neuen Schub verliehen – vier von fünf Startups werden auch 2021 neue Mitarbeiter einstellen, 10.000 neue Jobs sind bereits eingeplant. Startups nehmen damit eine zentrale Rolle im Wiederaufbau der Wirtschaft nach der Krise ein.

Gründer sind laut der Erhebung weiterhin überwiegend Männer. Jedoch sei der Frauenanteil hier im vergangenen Jahr auf etwas mehr als 18 Prozent gestiegen. Außerdem haben 35 Prozent der Start-ups zumindest ein weibliches Mitglied im Gründungsteam.

Unterstützung bei bestimmten Schwerpunkten

Die Erhebung zeigt, dass Start-ups weiterhin viel Förderung brauchen. Von der Politik wünschen sich die Jungunternehmer vor allem Anreize für mehr Risikokapital, sowie eine Senkung der Lohnnebenkosten. Laut Schramböck arbeitet die Regierung momentan an einer Standortstrategie. Dabei soll ein besonderer Fokus auf bestimmte Schwerpunkte wie Life Science liegen. „Speziell im medizinischen Bereich besetzen Start-ups wichtige Nischen“, sagt die Ministerin. Bei Förderungen beruft sie sich vor allem auf die kürzlich erhöhte Investitionsprämie. Unterstützung sollen in Zukunft auch Startups erhalten, wenn sie Arbeitskräfte einstellen, die in der Krise ihren Job verloren haben.

Auch beim Thema Nachhaltigkeit gibt es für die Gründerszene viel Potenzial. Klimaschutzministerin Leonore Gewessler sieht hier große Chancen: Der Wettbewerb der Zukunft wird sich um Klimaschutz drehen und wir müssen Startups fördern, die hierbei an neuer Technologie und Lösungen arbeiten.“ Laut dem Austrian Startup Monitor sind die Themen, die Jungfirmen am meisten interessieren, vor allem nachhaltiger Konsum sowie erneuerbare Energien. Insgesamt 27 Prozent haben sich vorrangig ökologische Ziele und zählen damit als „Green Impact Startups“.

Die Start-up Szene im Überblick:

● In Österreich gibt es rund 1.300 Startup-Gründerinnen und 5.700 Start-up-Gründer. Der Anteil von Gründerinnen ist dabei seit 2018 von 12 Prozent auf über 18 Prozent gestiegen. Über 35 Prozent der Start-ups haben zumindest eine Frau im Gründungsteam.

● Die durchschnittliche Mitarbeiterzahl hat seit dem ASM 2019 leicht zugenommen. Startups beschäftigen im Schnitt 9,6 MitarbeiterInnen, während es im Vorjahr noch 9,4 waren. In Summe umfasst der österreichische Startup-Sektor mittlerweile über 20.000 Beschäftigte.

● IT und Softwareentwicklung bleiben die wichtigsten Branchen, auch wenn der Anteil in den letzten Jahren sukzessive gesunken ist und aktuell 29 Prozent ausmacht. In den Bereichen Konsumgüter (10 Prozent), Life Science (10 Prozent), Kreativwirtschaft (9 Prozent) und Bildung (6 Prozent) sind Zuwächse zu verzeichnen.

● 63 Prozent aller Start-ups leisten einen Beitrag für eine nachhaltige Entwicklung und werden als Green Startup eingestuft. Für 27 Prozent der Startups stellt die Erreichung von ökologischen Zielen sogar ein vorrangiges Ziel dar. Bei diesen „Green Impact Startups“ steht die Umsetzung von Produkten und Dienstleistungen, die einen nachhaltigen Konsum bzw. eine nachhaltige Produktion ermöglichen, an erster Stelle.

● Mehr als 90 Prozent der Unternehmen erzielen bereits Umsätze im Ausland oder planen, in naher Zukunft auf internationalen Märkten aktiv zu werden. Jedes fünfte Start-up erwirtschaftet bereits Gewinne.

 * Der Austrian Startup Monitor 2020 ist der dritte Bericht über den Status, die Entwicklungsdynamik und die Perspektiven österreichischer Startups. Er basiert auf einer im Herbst 2020 durchgeführten Befragung von 595 Gründern oder Geschäftsführern von Startups. Außerdem werden Informationen über alle seit 2009 in Österreich erfassten Startups genutzt.

Von Daniela Ullrich